Text und Bild: ObstiR Josef Wanetschek
Im Dezember 1963 wurde Karate erstmalig im Rahmen der Judo-Staatsmeisterschaften in Wien vorgeführt durch Angehörige der HSNS und einem US-Karatemeister Thomas Anguay, 4. Dan.
Thomas Anguay war als Soldat in Deutschland stationiert und für mehrere Wochen als Nahkampfausbilder an der HSNS tätig. Somit erfolgte die Einführung des Karate in das österreichische Sportgeschehen durch das Bundesheer mit dem Ziel, durch Karatetechniken die Nahkampfausbildung für das Österreichische Jagdkommando zu verbessern.
In weiterer Folge waren mehrmals US-Karatekämpfer als Ausbilder für Jagdkommando-Kadersoldaten an der HSNS tätig.
Einer dieser Ausbilder war der Special Forces Captain Jules Bonavolonta, Vietnam-Kämpfer, hoch dekoriert und auch verwundet, der es bis zum Deputy Chief des FBI (stellvertretender Direktor) brachte.
1964 wurde Lt Wanetschek nach Augsburg zur 24th US Infantry Division zu einem Nahkampf- und Karatetraining mit T. Anguay entsandt. Die dort erworbenen Kenntnisse wurden mit Erfolg in der Nahkampfausbildung für das JaKdo und die Militärstreife angewendet.
Einen maßgeblichen Anteil und Verdienst an dieser Entwicklung hatte auch der damalige Judo-Staatsmeister Olt Herzog, der diese Entwicklung nutzte, um eine eigene Sportschule auf Judo- und Karatebasis zu eröffnen.
1965 erfolgte die Teilnahme von Olt Herzog und Olt Wanetschek an einem mehrwöchigen Karatekurs in Frankreich, wo das Karate schon damals hoch entwickelt war.
In Österreich wurde inzwischen im Rahmen des Heeressportvereines in Wien eine eigene Karate-Sektion gegründet, deren Sektionsleiter Obst Bouchal wurde.
Als Trainer fungierte ein hochgraduierter japanischer Karatemeister-Isao Ichikawa (10. Dan). Während beim HSA das Schwergewicht auf Selbstverteidigung lag, entstanden in Österreich zahlreiche Karatevereine mit Ausrichtung auf Karate als Wettkampfsport, zusammengefasst im damals gegründeten ÖKB.
Heutzutage bilden Karatetechniken die Grundlage für militärische Spezialausbildungen wie Jagdkommando und Militärstreife sowie Polizei. Im zivilen Sportbereich hat Karate einen sicheren Platz im Sportgeschehen eingenommen, wobei eine Vielzahl von Stilrichtungen der Kampfkünste in Erscheinung tritt, sodass ein breites Interessensspektrum von Wettkampf, Selbstverteidigung bis Fitness-Sport abgedeckt wird.
Nicht vergessen werden soll jedoch, dass sportbegeisterte weitsichtige Offiziere des Österreichischen Bundesheeres diese Entwicklung im militärischen Bereich einleiteten.